Chancenorientierte Kita-Platzvergabe ermöglichen
Wie können Kita-Plätze gerecht vergeben werden – besonders für Familien mit erschwertem Zugang zum Bildungssystem?
Am 17. April 2026 fand die Veranstaltung "Chancenorientierte Kita-Platzvergabe und Onboarding von Eltern mit erschwertem Zugang" an der Universität Vechta statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Pestalozzi-Fröbel-Verband in Kooperation mit der bevki und dem Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe e.V.).
Ausgangslage
Aktuelle Erkenntnisse zeigen deutlich: Der Zugang zu Kindertagesbetreuung ist in Deutschland weiterhin eng mit der sozialen und familiären Herkunft verknüpft. Trotz Rechtsanspruch bestehen strukturelle Hürden, z.B. durch komplexe Anmeldeverfahren, ungleiche Informationszugänge, regionale Unterschiede in der Versorgung oder benachteiligende Vergabekriterien.
Praxisnahe Ansätze für mehr Teilhabe
Auf der Veranstaltung wurden konkrete Beispiele und erprobte Strategien aus der Praxis vorgestellt, die auf chancengerechte Zugänge zur frühkindlichen Bildung hinwirken.
1. Sozialraumorientierte Kitaplatz-Vergabe
In der Stadt Barsinghausen wurde die Kita-Platzvergabe sozialraumorientiert weiterentwickelt und als Strategie der Armutsprävention eingesetzt.
Die Stadt reagierte damit auf einen ungleich verteilten Zugang zu frühkindlicher Bildung für Familien. Rund 20 % der Kinder waren von Armut betroffen oder armutsgefährdet. Gleichzeitig bestanden zu wenig Betreuungsplätze, wodurch sich insbesondere für benachteiligte Familien erschwerte Zugänge ergaben. Die Stadt reagierte mit einer 105 % Ausstattung von Kitaplätzen und einem transparenten Punktesystem bei der Vergabe der Plätze.
Das Punktesystem berücksichtig die individuellen Familiensituationen, beispielsweise die Arbeitszeiten der Eltern, das Alter der Kinder, Behinderung und Förderbedarfe und ob Eltern alleinerziehend sind. Durch die Punktevergabe wird eine bedarfsgerechte Verteilung möglich.
2. Niedrigschwellige, mehrsprachige und beziehungsorientierte Familienbegleitung
Aus der Stadt Osnabrück berichteten Familienbegleiterinnen praxisnah, wie über Beziehung und Vertrauensaufbau Zugänge zu Familien aktiv hergestellt werden können:
- direkte und persönliche Ansprache von Familien
- mehrsprachige und kultursensible Kommunikation
- kontinuierliche, alltagsnahe Begleitung (z.B. zu Terminen mit dem Amt)
- Formate wie Elterncafés und aufsuchende Gespräche in Kitas
Diese Ansätze ermöglichen es, auch Familien zu erreichen, die bisher wenig Kontakt zum Bildungssystem hatten.
3. Familienzentren als Orte der Beratung, Bildung und Unterstützung
Familienzentren spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Zugänge zu frühkindlicher Bildung gerechter zu gestalten und Familien in unterschiedlichen Lebenslagen wirksam zu erreichen. Sie verbinden die klassische frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung mit ergänzenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten für Familien. Diese enge Verzahnung ermöglicht es, Familien ganzheitlich zu begleiten und auf individuelle Bedarfe einzugehen.
Sandra Köper-Jocksch vom Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung e. V. (nifbe e.V.) machte deutlich, welches Potenzial in diesen Einrichtungen liegt: Familienzentren sind Orte der Unterstützung, der Begegnung und der aktiven Teilhabe – und damit zugleich eine wichtige Brücke zu mehr Bildungsgerechtigkeit.
Fazit: Zugang ermöglichen, Teilhabe stärken
Für eine chancengerechte Kita-Platzvergabe braucht es:
- Bundesweite politische Rahmenbedingungen (Bundesqualitätsentwicklungsgesetz)
- Bewusstsein in der Kommune und eine Strategie
Und ganz praktisch:
- transparente und bedarfsgerechte Vergabestrukturen
- armuts- und kultursensible Zugänge
- mehrsprachige und beziehungsorientierte Kommunikation
- politische Unterstützung und ressortübergreifende Zusammenarbeit
- eine konsequente Orientierung an den Lebenslagen von Kindern und Familie
Verfasst von bevki-Geschäftsstelle
Mit Hilfe von KI generiert.