Ganztag gelingt nur gemeinsam: Warum Bildungsengagement unverzichtbar ist
Zuletzt aktualisiert: 13.04.2026
Ganztag braucht Qualität, Beteiligung und starkes Bildungsengagement.
Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder ab dem 1. August 2026 steht Deutschland vor einer wichtigen bildungspolitischen Aufgabe. Der Ausbau des Ganztags ist ein notwendiger Schritt. Er kann Familien entlasten, Bildungsgerechtigkeit stärken und Kindern bessere Entwicklungs- und Teilhabechancen eröffnen. Damit dieses Ziel erreicht wird, braucht Ganztag aber mehr als zusätzliche Plätze: Er braucht Qualität, Beteiligung und starke zivilgesellschaftliche Strukturen. Grundlage dieses Artikels ist die gemeinsame Stellungnahme von bbt, Bundeselternrat, bevki, Bundesschülerkonferenz und Stiftung Bildung.
Ganztag ist mehr als Betreuung
Ganztag darf nicht nur als organisatorische Lösung verstanden werden, um Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Gut gestaltete ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote schaffen zusätzliche Lern- und Entwicklungsräume für Kinder. Sie fördern soziale Kompetenzen, Kreativität, Mitbestimmung und demokratisches Miteinander.
Gerade beim Übergang von der Kita in die Grundschule erleben viele Familien noch Brüche. Während frühkindliche Bildung oft verlässlich organisiert ist, fehlen in der Grundschule vielerorts ausreichende ganztägige Angebote. Der Rechtsanspruch kann hier für mehr Kontinuität sorgen und ist ein wichtiges Signal für mehr Bildungsgerechtigkeit.
Gute Ganztagsbildung braucht starke Partner*innen
Ein Rechtsanspruch allein macht noch keinen guten Ganztag. Entscheidend ist, wie Ganztag vor Ort umgesetzt wird. Viele Schulen stehen vor großen Herausforderungen: fehlende Räume, zu wenig Fachkräfte, ungleiche Voraussetzungen und begrenzte Angebote.
Deshalb braucht Ganztag das Zusammenspiel von Staat und Zivilgesellschaft. Staatliche Verantwortung bleibt zentral: für Infrastruktur, Qualität, rechtliche Rahmenbedingungen und verlässliche Finanzierung. Gleichzeitig leisten zivilgesellschaftliche Akteur*innen einen wichtigen Beitrag, wenn es um Beteiligung, Flexibilität, lokale Vernetzung und bedarfsgerechte Angebote geht.
Welche Rolle Bildungsengagement spielt
Kita- und Schulfördervereine, Elternvertretungen und Schüler*innenvertretungen bringen die Perspektiven derjenigen ein, die Bildungsorte jeden Tag erleben. Sie machen Bedarfe sichtbar, fördern Mitwirkung und helfen dabei, Ganztagsangebote passgenau und qualitätsvoll zu gestalten.
Sie unterstützen zum Beispiel:
- bei Lernbegleitung und Hausaufgabenangeboten
- bei kulturellen Projekten wie Theater, Musik oder Kunst
- bei Sport- und Bewegungsangeboten
- bei Demokratiebildung und Beteiligungsprojekten
- bei Ernährungsbildung sowie Nachhaltigkeits- und Klimaschutzprojekten
So wird Ganztag zu mehr als Betreuung. Er wird zu einem Bildungs- und Lebensraum, in dem Kinder Selbstwirksamkeit erfahren, Interessen entdecken und Gemeinschaft erleben können.
Ehrenamt braucht verlässliche Strukturen
Bildungsengagement ist kein Randthema. Es ist an vielen Orten bereits ein tragender Teil der Bildungslandschaft. Gleichzeitig wird dieses Engagement überwiegend ehrenamtlich getragen. Damit es dauerhaft wirksam sein kann, braucht es verlässliche Unterstützung.
Die gemeinsame Stellungnahme macht deutlich: Ehrenamtliche Strukturen dürfen nicht nur mitlaufen, sie müssen nachhaltig gestärkt werden. Gefordert wird eine verlässliche Strukturförderung im Bundeshaushalt, damit hauptamtliche Geschäftsstellen aufgebaut und Ehrenamtliche entlastet werden können. Das würde auch die Qualität des Ganztags langfristig stärken.
Ganztag als offener Bildungs- und Begegnungsort
Ganztag kann dann besonders stark wirken, wenn Schule sich in den Sozialraum öffnet. Wo Nachbarschaft, Vereine, Initiativen, Fördervereine und Elternvertretungen zusammenarbeiten, entstehen lebendige Bildungsorte. Das stärkt Teilhabe, Vielfalt und Zusammenhalt.
Für bevki ist klar: Gute Bildung gelingt dort am besten, wo Eltern, Kinder, Fachkräfte, Schulen und Zivilgesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen. Ganztag ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Damit er Kindern wirklich zugutekommt, muss er partizipativ, inklusiv und qualitätsvoll gestaltet werden.
Unsere Position als bevki
Wir begrüßen den Ausbau des Ganztags ausdrücklich. Gleichzeitig setzen wir uns dafür ein, dass Qualität, Beteiligung und Bildungsgerechtigkeit im Mittelpunkt stehen. Elternvertretungen und Bildungsengagement müssen von Anfang an mitgedacht werden – nicht als Ersatz staatlicher Verantwortung, sondern als unverzichtbare Ergänzung.
Ganztag gelingt nur gemeinsam. Deshalb braucht es jetzt politische Entscheidungen, die nicht nur Plätze schaffen, sondern auch tragfähige Strukturen für Mitwirkung, Kooperation und gutes Aufwachsen.
Verfasst von bevki-Geschäftsstelle
Mit Hilfe von KI generiert.
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Gemeinsame Stellungnahme: Warum Ganztag das Bildungsengagement braucht und was Kita- und Schulfördervereine leisten
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