02.04.2026

Rassismus in Kitas: Ein ernst zu nehmendes Problem

Zuletzt aktualisiert: 01.04.2026

Welche Hürden erleben Kinder und Eltern? Wie zeigt sich Diskriminierung im Alltag und beim Zugang zu Kitas und welche Veränderungen sind nötig?

Rassismus in Kitas: Ein ernst zu nehmendes Problem

Kitas sollen sichere Orte für Kinder sein. Doch viele Familien erleben etwas anderes: Ausgrenzung, fehlende Repräsentation, abwertende Zuschreibungen und Hürden beim Zugang. Rassismus zeigt sich in der frühen Bildung nicht nur in einzelnen Aussagen oder Vorfällen. Er wird auch sichtbar über Routinen, Materialien, Erwartungen und Entscheidungen.

Die Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) „Ich habe lange gekämpft, aber dann sind wir doch gewechselt“ (2022), zeigt, dass Eltern in Berliner Kitas diskriminierende Annahmen, fehlende Vielfalt in Materialien und abwehrende Reaktionen auf Beschwerden erleben. Viele Eltern müssen Rassismus selbst ansprechen und Veränderung einfordern. Manche wechseln am Ende die Einrichtung, weil ihre Erfahrungen nicht ernst genommen werden.

Die zwei Jahre später durchgeführte Studie des DeZIM (2025) macht deutlich, dass das Problem noch weiter reicht: Rassismus wirkt nicht erst im Kita-Alltag, sondern oft schon beim Zugang. Sie beschreibt intransparente Platzvergabe, Wartelisten als mögliches Gatekeeping-Instrument, die Vorstellung einer angeblich „guten Mischung“ und strukturelle Benachteiligungen entlang von Sprache, Herkunft oder rassifizierenden Zuschreibungen. Zugleich zeigt sie, dass Personalmangel und fehlende institutionelle Antidiskriminierungsstrategien diese Probleme verschärfen.

Die Empfehlungen von Jasmine Rouamba (2023) ergänzen diese Befunde um die Alltagsebene. Rouamba zeigt, dass Rassismus sich auch in Sprache, Ausschlüssen unter Kindern, im Umgang mit Namen, Haaren und Hautpflege, in Ritualen, Liedern und Festen sowie in vorschnellen Abwertungen zeigt.

Was Kinder und Eltern erleben

Kinder erleben früh, wer als „normal“ gilt und wer nicht. Das zeigt sich in Büchern und Spielmaterialien, in denen Vielfalt kaum vorkommt. Es zeigt sich auch dann, wenn Namen, Hautfarbe, Haare, Sprache oder Religion zum Anlass für Zuschreibungen werden. Mehrsprachigkeit wird dabei oft nicht als Stärke, sondern als Defizit behandelt.

Für Eltern bedeutet das häufig zusätzlichen Druck. Sie müssen Vorfälle einordnen, ansprechen und oft gegen Abwehr argumentieren. Wo Beschwerden heruntergespielt werden oder klare Beschwerdewege fehlen, bleiben Familien mit dem Problem allein.

Auch Kinder untereinander übernehmen früh gesellschaftliche Unterschiede und Machtverhältnisse. Die Expertise beschreibt, dass Ausschlüsse im Spiel nicht nur „normale Konflikte“ sein müssen, sondern rassistisch geprägt sein können. Dann braucht es Erwachsene, die Diskriminierung erkennen, eingreifen und einen gleichberechtigten Bildungsraum aktiv schützen.

Warum das strukturell ist

Rassismus in der Kita ist strukturell, wenn Benachteiligung nicht zufällig passiert, sondern sich in Regeln, Routinen und Normalitätsvorstellungen wiederholt. Etwa dann, wenn Vielfalt in Materialien fehlt, wenn Beschwerden ins Leere laufen, wenn Mehrsprachigkeit problematisiert wird oder wenn Platzvergabe nicht transparent erfolgt. Dann tragen nicht nur einzelne Personen, sondern auch Träger, Verfahren und politische Rahmenbedingungen dazu bei, Ungleichheit zu verfestigen.

Zur Struktur gehört auch der Alltag: wenn Kinder falsch benannt werden, wenn Haare ungefragt berührt oder kommentiert werden, wenn bestimmte Lieder, Rituale oder Verkleidungen rassistische Bilder fortschreiben oder wenn christliche Feste selbstverständlich Raum bekommen, andere religiöse und kulturelle Bezüge aber kaum vorkommen. Auch so wird vermittelt, wer dazugehört und wer bestenfalls nur „mitgemeint“ ist.

Was sich ändern muss

Nötig sind verbindliche Beschwerdewege, rassismuskritische Organisationsentwicklung, vielfältige und diskriminierungskritische Materialien, transparente Platzvergabe und bessere Rahmenbedingungen für Fachkräfte. Antidiskriminierung darf nicht vom Einsatz einzelner Eltern oder engagierter Mitarbeitender abhängen.

Dazu gehört auch, den Alltag in der Kita kritisch zu prüfen: Welche Lieder werden gesungen? Welche Feste werden gefeiert? Wie werden Namen ausgesprochen? Welche Bilder von Familien, Religionen und Kindern vermitteln Bücher, Spiele und Rituale? Und wer wird im pädagogischen Alltag vorschnell als „auffällig“, „schwierig“ oder „nicht passend“ gelesen? 

Die bevki setzt sich dafür ein, dass vulnerable Kinder und Eltern in Kitas besonders geschützt werden. Eltern empfehlen wir daher, die oben genannten Beratungsangebote unbedingt zeitnah in Anspruch zu nehmen. 

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